Jeden Herbst verwandelt sich der Himmel über Burgas in einen belebten Flugkorridor. Tausende Störche, Pelikane und Greifvögel ziehen nach Süden. Dabei folgen sie einer alten Zugroute, die als Via Pontica bekannt ist. Der herbstliche Vogelzug gehört zu den eindrucksvollsten Naturereignissen an Bulgariens Schwarzmeerküste. Die Seen rund um Burgas bieten eine besondere Gelegenheit, dieses Schauspiel hautnah zu erleben. Wann erreicht der Vogelzug seinen Höhepunkt? Welche Arten lassen sich beobachten und wo befinden sich die besten Plätze dafür?
Via Pontica – warum ziehen Tausende Vögel bei Burgas vorbei?

Die Via Pontica gehört zu den wichtigsten Vogelzugrouten Europas. Jeden Herbst ziehen Vögel aus Nord- und Osteuropa entlang des Schwarzen Meeres. Ihr Ziel sind die wärmeren Regionen Afrikas und des Mittelmeerraums. Viele große Vogelarten vermeiden lange Flüge über offene Wasserflächen. Stattdessen nutzen sie aufsteigende Warmluft, um Energie zu sparen.
Die Bucht von Burgas liegt an einem entscheidenden Abschnitt dieser Route. Laut einer wissenschaftlichen Langzeitstudie aus den Jahren 1979 bis 2003 wurden hier während der Herbstsaison durchschnittlich mehr als 169.000 ziehende Wasservögel und andere große Vögel aus den untersuchten Gruppen sowie über 38.000 Greifvögel erfasst. Diese historischen Zahlen verdeutlichen die außergewöhnliche Bedeutung der Region für den europäischen Vogelzug.
Wann beginnt der herbstliche Vogelzug?

Die ersten großen Vogelschwärme erscheinen bereits im August. Dann beginnt der intensive Zug der Weißstörche. Im September ziehen zahlreiche Pelikane und Greifvögel über die Region; im Oktober folgen weitere Zugvogelarten; im November treffen schließlich einige Wasservögel ein, die hier den Winter verbringen.
Die beste Zeit, um große Zugbewegungen zu beobachten, liegt normalerweise zwischen der zweiten Augusthälfte und Ende September. Doch der herbstliche Vogelzug endet nicht plötzlich. Jede Vogelart folgt ihrem eigenen Zeitplan. Dieser hängt unter anderem vom Wetter und den Bedingungen entlang der Zugroute ab.
Was zeigen die Beobachtungen am Atanasovsko-See aus dem Jahr 2026?
Die Vogelberingungsstation am Atanasovsko-See liefert wertvolle Informationen über die Bewegungen der Zugvögel. Laut den auf der Plattform Trektellen veröffentlichten Daten wurden im September 2026 insgesamt 1.447 Vögel beringt. Im August waren es 386. Der letzte dokumentierte Fangtag der Saison war der 9. Oktober.
Diese Zahlen entsprechen nicht der Gesamtzahl der durchziehenden Vögel. Sie beziehen sich ausschließlich auf gefangene und mit Identifikationsringen versehene Tiere. Dennoch helfen die Daten dabei, saisonale Aktivitäten und die Artenvielfalt besser zu verstehen.
Welche Zugvögel lassen sich entlang der Via Pontica beobachten?
Der Weißstorch gehört zu den bekanntesten Symbolen des herbstlichen Vogelzugs. Große Schwärme kreisen oft hoch über dem Festland, bevor sie ihren Weg nach Süden fortsetzen. Auch Rosapelikane bieten einen beeindruckenden Anblick. Besonders eindrucksvoll sind ihre langen Flugformationen.
Unter den Greifvögeln fällt der Schreiadler besonders auf. Sein Zug ist im September besonders intensiv. Außerdem lassen sich Wespenbussarde, Weihen und Falken beobachten. Die Feuchtgebiete ziehen Löffler, Säbelschnäbler und verschiedene Regenpfeiferarten an.
Krauskopfpelikane sind besonders in den kälteren Monaten interessant. Rosaflamingos, die rund um den Atanasovsko-See zu sehen sind, bringen zusätzliche Farbe in die herbstliche Landschaft.
Wo kann man bei Burgas Vögel beobachten?

Die Seen rund um Burgas bieten mehrere ausgezeichnete Orte zur Vogelbeobachtung. Einige eignen sich besonders gut, um große Vogelschwärme hoch am Himmel zu verfolgen. An anderen lassen sich Wasservögel aus geringerer Entfernung beobachten, während sie ruhen oder nach Nahrung suchen.
Atanasovsko-See – der beste Ort für große Zugvogelschwärme
Der nördliche Teil des Atanasovsko-Sees gehört zu den bekanntesten Beobachtungsorten entlang der Via Pontica. Ein spezieller Beobachtungspunkt, der vor Ort als „Tochkata“ bekannt ist, bietet einen weiten Blick auf den Himmel. Von hier aus können Besucher vorbeiziehende Störche, Pelikane und Greifvögel verfolgen.
Im südlichen Teil des Sees eignen sich der Säbelschnäbler-Pfad und die nahe gelegenen Beobachtungsplätze besonders gut zur Beobachtung von Wasservögeln. Die Umgebung lädt außerdem zu einem ruhigen Spaziergang in der Natur ein. Wer die außergewöhnliche Landschaft der Salzbecken entdecken möchte, kann den Besuch mit einem Ausflug zu den Salinen von Burgas verbinden.
Schutzgebiet Poda – Vogelbeobachtung in Meeresnähe
Südlich von Burgas, an der Straße nach Sozopol, liegt das Schutzgebiet Poda. Das dortige Naturschutzzentrum verfügt über Beobachtungsplattformen und optische Ausrüstung. Damit eignet sich das Gebiet besonders für Einsteiger und Familien mit Kindern.
Poda ist zu jeder Jahreszeit interessant. Besucher können hier Reiher, Kormorane, Pelikane und zahlreiche weitere Vogelarten beobachten. Weitere Informationen finden Sie in unserem Reiseführer zur Vogelbeobachtung im Schutzgebiet Poda.
Vaya-See – ein Rückzugsort für Wasservögel
Der Vaya-See, auch als Burgas-See bekannt, ist ein wichtiger Rastplatz für ziehende Wasservögel. Seine offenen Wasserflächen und ausgedehnten Schilfgürtel bieten Nahrung und geschützte Ruheplätze. Im Herbst können Besucher verschiedene Entenarten, Reiher und Pelikane entdecken.
Für ein gelungenes Naturerlebnis empfiehlt sich ein gut zugänglicher Beobachtungspunkt am Ufer. Betreten Sie keine Schilfbestände und vermeiden Sie Störungen empfindlicher Lebensräume.
Pomorie-See – ein weiterer Rastplatz entlang der Zugroute
Nördlich von Burgas liegt der Pomorie-See. Die salzhaltige Lagune zieht zahlreiche Wat- und Küstenvögel an. Dazu gehören Stelzenläufer, Säbelschnäbler und Seeschwalben. Das Besucherzentrum in der Nähe des Salzmuseums ist ein praktischer Ausgangspunkt, um die Umgebung zu erkunden.
Welche Tageszeiten und Wetterbedingungen eignen sich am besten zur Vogelbeobachtung?
Wer Störche und Greifvögel beobachten möchte, sollte sich nicht ausschließlich auf die frühen Morgenstunden konzentrieren. Wenn die Sonne den Boden erwärmt, entstehen aufsteigende Warmluftströmungen. Die Vögel nutzen diese Thermik, um mit möglichst geringem Energieaufwand an Höhe zu gewinnen.
Wissenschaftliche Beobachtungen am Atanasovsko-See zeigen einen besonders intensiven Vogelzug zwischen 11 und 14 Uhr in der zweiten Septemberhälfte. Im August wurden auch am Nachmittag starke Zugbewegungen festgestellt. Diese Zeitangaben dienen als Orientierung. Sie garantieren jedoch keine bestimmten Beobachtungen.
Für Wasservögel bieten die frühen Morgenstunden häufig ruhigere Bedingungen und besonders schönes natürliches Licht. Auch nach einer Schlechtwetterphase kann der Vogelzug deutlich zunehmen, sobald sich die Wetterbedingungen verbessern.
Wie bereitet man sich auf die Vogelbeobachtung bei Burgas vor?
Um den Vogelzug zu erleben, ist keine besondere Ausrüstung erforderlich. Ein Fernglas, bequeme Schuhe und eine leichte Jacke sind ein guter Anfang. Für Aufnahmen weit entfernter Vögel ist ein Teleobjektiv hilfreich. Wer mehrere Stunden draußen verbringen möchte, sollte ausreichend Wasser und Sonnenschutz mitnehmen.
Bleiben Sie auf den markierten Wegen und nutzen Sie die vorgesehenen Beobachtungsplattformen. Halten Sie Abstand zu brütenden oder rastenden Vögeln. Prüfen Sie vor einem Drohnenflug in Schutzgebieten immer die geltenden Einschränkungen und erforderlichen Genehmigungen.
Warum sind die Seen von Burgas für den Vogelschutz so wichtig?

Der Atanasovsko-See, der Vaya-See, der Mandra-See und das Schutzgebiet Poda bilden ein außergewöhnlich wertvolles Netzwerk von Feuchtgebieten. Sie bieten Nahrung, Schutz und Rastplätze während der langen Wanderungen. Für viele Vögel sind diese Zwischenstopps entscheidend, bevor sie ihre Reise fortsetzen.
Dieser Naturreichtum macht die Region auch außerhalb des Sommers zu einem attraktiven Reiseziel. Vogelbeobachtung lässt sich wunderbar mit einem ruhigen Urlaub an Bulgariens Schwarzmeerküste verbinden, fernab der belebten Badeorte.
Kann man bei Burgas auch im Winter Vögel beobachten?
Mit dem Ende des herbstlichen Vogelzugs werden die Seen keineswegs leer. Im Winter kommen Enten, Lappentaucher, Kormorane und andere Wasservögel in die Region. Bei geeigneten Bedingungen lassen sich auch Krauskopfpelikane beobachten. Die Via Pontica bietet zu jeder Jahreszeit ein anderes Naturerlebnis. Wenn Sie einen Besuch in den kälteren Monaten planen, entdecken Sie weitere Anregungen in unserem Reiseführer für Winteraktivitäten an Bulgariens Schwarzmeerküste. Manchmal genügt es, einfach den Blick zum Himmel zu richten. Vielleicht zieht der nächste Vogelschwarm bereits über Ihnen hinweg.





