Die meisten Menschen kommen mit einem Strandtuch, Sonnencreme und ohne festen Plan an die Küste von Kraimorie. Sie verbringen den Tag im Sand, halten gelegentlich die Füße ins Schwarze Meer und ahnen nicht, dass nur wenige hundert Meter entfernt eines der außergewöhnlichsten Unterwassererlebnisse Osteuropas auf sie wartet. Und das ist längst nicht das einzige Geheimnis, das dieser Küstenabschnitt bereithält.
Das Problem mit verpassten Reiseerlebnissen ist, dass man sie meist erst bemerkt, wenn es zu spät ist. Man sitzt wieder zu Hause, scrollt durch seine Urlaubsfotos und stellt fest, dass etwas Besonderes nur zehn Minuten entfernt gewesen wäre. Also sorgen wir dafür, dass Ihnen das nicht passiert.
Die Küste von Kraimorie – von den ruhigen Stränden des kleinen Küstenviertels bis hin zur historischen Bucht von Tschengene Skele – ist weit mehr als ein Ort zum Sonnenbaden. Sie ist ein Revier für Abenteuer, das sich auf mehreren Ebenen entfaltet. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Die meisten Besucher entdecken nicht einmal die Hälfte dessen, was diese Gegend zu bieten hat. Wenn Sie diesen Artikel zu Ende gelesen haben, werden Sie nicht denselben Fehler machen.
Mehr als nur Wakeboarden

An der Küste von Kraimorie dreht sich nicht alles um den Strand. Entlang der Uferpromenade können Jetskis und die beliebten „Bananenboote“ gemietet werden – perfekt für alle, die Geschwindigkeit und Wasserspaß lieben. Wer es etwas entspannter mag, kann Tretboote mit Rutschen ausleihen – eine ideale Option für Familien, die ein kleines Abenteuer suchen, ohne sich gleich in Extremsportarten zu stürzen.
Besonders spannend ist jedoch das Kitesurfen. Die Kombination aus günstigen Windverhältnissen und der Erfahrung der lokalen Szene macht die Region zu einem aufstrebenden Revier für Kitesurfer. Die Form der Bucht sorgt an Sommernachmittagen für verlässliche thermische Winde – berechenbar genug für die Planung und dennoch abwechslungsreich genug, um auch erfahrene Sportler zu begeistern.
Schon gewusst?
Das Schwarze Meer besitzt eine außergewöhnliche Eigenschaft: Unterhalb von etwa 150 Metern Tiefe ist das Wasser nahezu sauerstofffrei. Deshalb sind die Tiefen des Meeres fast lebensleer. In den flachen Küstenbereichen dagegen, in denen sich die meisten Aktivitäten abspielen, findet sich ein überraschend vielfältiges und artenreiches Ökosystem.
Die Unterwasserkathedrale

Und nun kommen wir zu dem Teil, von dem kaum jemand spricht – vor allem, weil viele Menschen noch nie davon gehört haben.
Etwa 18 Meter unter der Oberfläche des Schwarzen Meeres, unweit der Insel Sweta Anastasia, befindet sich eine orthodoxe Kapelle. In Originalgröße. Nach orthodoxem Ritus geweiht. Mit Ikonen und Kreuzen ausgestattet. Im Jahr 2023 wurde sie rund 150 Meter vor der Insel versenkt.
In ihrer Nähe steht eine Statue der heiligen Anastasia, der Schutzpatronin der Insel. Und wer noch etwas weiter taucht, entdeckt einen sowjetischen Tschaika mit glänzendem Kühlergrill, einen Militärlastwagen vom Typ ZIL-157 und sogar einen „Fahrer“ in kompletter Tauchausrüstung, der geduldig auf ein Selfie wartet.
Doch dies ist weit mehr als nur ein Tauchspot. Der Unterwasserpark wurde mit zwei Zielen geschaffen: zertifizierten Tauchern ein einzigartiges Erlebnis zu bieten und gleichzeitig ein künstliches Riff zu schaffen, das Meereslebewesen als Lebensraum dient. Die Hohlräume in den Betonstrukturen, in denen Kapelle und Fahrzeuge ruhen, wirken inzwischen wie kleine Unterwasserhotels für die Tierwelt des Schwarzen Meeres.
Ein Tauchgang dauert hier in der Regel zwischen 50 und 60 Minuten. Genug Zeit, um die Kapelle zu erkunden, die versenkten Fahrzeuge zu bestaunen und ein Foto mit dem amphibischen „Fahrer“ zu machen. Mit einer maximalen Tiefe von 18 Metern ist der Park auch für Taucher mit Open-Water-Zertifizierung problemlos zugänglich.
Die Vereinigung „Freunde des Meeres – Burgas“ hat die Anlage bewusst so konzipiert. Bereits heute sind die Bauwerke von Algen und Meeresorganismen besiedelt – ein Zeichen dafür, dass das Konzept funktioniert. Künftig könnten sogar Flugzeuge Teil des Unterwassermuseums werden.
Spannung unter Wasser

Ein Detail, von dem kaum jemand spricht: Rund um die Insel verhalten sich Kompasse aufgrund magnetischer Anomalien mitunter ungewöhnlich. Deshalb wurden zwischen den einzelnen Objekten Führungsleinen installiert, die die Orientierung erleichtern. So können sich Taucher ganz auf das Erlebnis konzentrieren, statt sich um die Wegfindung zu kümmern.
Was die meisten Besucher falsch machen
Der häufigste Fehler: Viele betrachten die Küste von Kraimorie als Ziel für nur eine einzige Aktivität. Sie kommen entweder wegen des Strandes, des Wakeparks oder des Tauchens. Tatsächlich liegen all diese Erlebnisse nur wenige Minuten voneinander entfernt. Morgens Wakeboarden, mittags tauchen und am Nachmittag Kitesurfen – all das lässt sich problemlos an einem Tag verbinden.
Ein bewährter Tagesablauf sieht so aus
Beginnen Sie den Tag im Wake Park Burgas (geöffnet ab 9 Uhr), solange das Wasser ruhig ist und der Nachmittagswind noch nicht eingesetzt hat. Nehmen Sie eine Unterrichtsstunde oder drehen Sie einfach ein paar Runden auf der Anlage.
Anschließend geht es zum Mittagessen an den Strand von Kraimorie, wo zahlreiche Bars und Restaurants direkt am Meer liegen.
Am Nachmittag bietet sich ein Tauchgang mit einem der örtlichen Tauchzentren an. Der Unterwasserpark zeigt sich besonders eindrucksvoll, wenn das Licht gut und die Sicht unter Wasser klar ist.
Für das Kitesurfen sind die späten Nachmittags- und Abendstunden ideal, wenn die thermischen Winde ihre größte Stärke erreichen.
Interessante Tatsache
Während der kommunistischen Ära diente die Insel Sweta Anastasia als Gefängnis. Vom Strand aus lassen sich mit bloßem Auge der Leuchtturm, die Kirche und das ehemalige Gefängnisgebäude erkennen. Die Ironie, dass ein einstiger Ort der Isolation heute ein Unterwasserparadies beherbergt, entgeht den Einheimischen nicht.
Das Küstenökosystem
Tauchen an der Küste von Kraimorie bedeutet weit mehr als nur den Unterwasserpark. Felsformationen, Algen, Meeresbewohner und natürliche Unterwasserlandschaften machen die Region auch ohne künstliche Attraktionen zu einem spannenden Revier. Die örtlichen Tauchzentren bieten Ausbildungen für alle Erfahrungsstufen nach internationalen Standards wie PADI oder CMAS an. Tauchen ist hier kein Nebengedanke, sondern ein eigenständiger Grund für eine Reise.
Die einzige Herausforderung? Die magnetischen Anomalien. Doch die lokalen Tauchguides kennen das Gebiet bestens und führen Besucher sicher durch die Gewässer.
Wasserski und Wakeboarden auf derselben Anlage

Was viele nicht wissen: Die Seilbahn im Wake Park Burgas ist nicht nur für Wakeboarder gedacht. Auch Wasserski können hier problemlos gefahren werden. Gerade diese Vielseitigkeit macht die Anlage so attraktiv. Viele Besucher kommen mit einer bestimmten Vorstellung und entdecken vor Ort, dass ihnen eine andere Disziplin sogar noch mehr Spaß macht. Beides an einem Tag auszuprobieren, ist problemlos möglich.
Wie man diese Küste erleben sollte
Wie Sie die Küste von Kraimorie wahrnehmen, hängt ganz von Ihrer Herangehensweise ab. Wer hier einfach nur einen entspannten Strandtag verbringen möchte, wird nicht enttäuscht. Der Sand ist angenehm, das Wasser sauber und die Sonne erledigt den Rest.
Wer den Tag jedoch aktiv gestaltet – mit Wakeboard, Jetski und Tauchgang –, erlebt die Küste plötzlich auf eine ganz andere Weise. Sie wird zu einer dreidimensionalen Landschaft statt zu einem einfachen Sandstreifen.
Die Wasseroberfläche wird zum Spielplatz. Die Unterwasserwelt wird zur Entdeckungsreise. Und die Küste selbst wird zum Ausgangspunkt neuer Abenteuer.
Was Ihnen kaum jemand sagt: Die schönsten Erinnerungen an eine Reise entstehen selten in den Momenten völliger Entspannung. Sie entstehen dann, wenn der Puls steigt. Wenn man sich selbst herausfordert. Wenn man etwas Unerwartetes entdeckt. Eine orthodoxe Kapelle auf dem Meeresgrund gehört definitiv zu den Dingen, die man auch Jahre später noch nicht vergessen hat.
Praktische Informationen
Kraimorie liegt etwa zwölf Kilometer südlich von Burgas. Die regelmäßige Buslinie 17 verbindet die Stadt mit dem Küstenviertel. Parkmöglichkeiten befinden sich in unmittelbarer Nähe des Strandes.
Der Wake Park Burgas liegt im Kultur- und Tourismuskomplex Tschengene Skele. Die Saison beginnt Ende Mai und dauert den ganzen Sommer über. Geöffnet ist täglich von 9 bis 22 Uhr. Anfänger können Kurse buchen, die komplette Ausrüstung wird vor Ort bereitgestellt.
Für Tauchgänge ist ein Tauchschein erforderlich. Der Unterwasserpark ist für Taucher mit Open-Water-Zertifizierung zugänglich. Eine Reservierung über die örtlichen Tauchzentren wird empfohlen. Die Kapelle und die versenkten Fahrzeuge befinden sich in Tiefen zwischen 15 und 18 Metern und liegen damit innerhalb der üblichen Grenzen des Sporttauchens.
Bleibt nur eine Frage: Wie viel von dem, was die Küste von Kraimorie tatsächlich zu bieten hat, haben Sie bislang verpasst?
Für die meisten lautet die Antwort: fast alles.
Der Strand allein ist schon Grund genug, immer wieder zurückzukehren. Doch die Geheimnisse vor der Küste – der Wakepark, die Unterwasserkapelle und das künstliche Riff – machen diesen Ort wirklich besonders. Es sind genau diese Erlebnisse, von denen man später erzählt.
Und wenn Sie noch tiefer eintauchen möchten: Das ist erst der Anfang. Die Wechselwirkung zwischen künstlichen Riffen und dem Ökosystem des Schwarzen Meeres verdient ebenso einen eigenen Blick wie der Aufstieg Osteuropas zu einer neuen Kitesurf-Destination. Und auch die Geschichte der Insel Sweta Anastasia – vom kommunistischen Gefängnis zum Unterwasserheiligtum – wäre einen eigenen Artikel wert.
Doch das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.






